Welches Tool soll es sein? Learnability als Entscheidungskriterium für oder gegen eine Software.

How To Make Toast by Tom Wujec
Bild: Mein Toast Prozessentwurf, 10 Minuten nach Eingabe des Begriffs „Mural“ bei Google. Die Zeichnungen hatte ich im Vorfeld vorbereitet.

User Journey Maps

User Journeys sind Darstellungen von Prozessen die verschiedene Nutzer (Personas) durchlaufen um ein Ziel zu erreichen. Im Vergleich zu herkömmlichen User-Flows sind Journey Maps um Experiences wie Emotionen, Happy Moments oder Pain Points erweitert. Mehr dazu hier und hier.

Für gewöhnlich werden User Journey Maps physisch im Team, vor einem grossen Whiteboard mit Sticky Notes und Buntstiften in der Hand erarbeitet. Ich möchte jedoch User Journeys digital erstellen.

Welches Software-Tool soll es sein?

Mural, Smaply, und UXPressia sind UX-Tools von denen ich weiss, dass sie für die Erstellung von eben diesen User Journeys gedacht sind.

Dieses Mal möchte ich Software nicht rein anhand Feature-Lists vergleichen, sondern auf die Intuition, mein Gefühl und die Experience des First Encounters setzen. Der Bauch entscheidet. Das tut er schnell. Schnell und für gewöhnlich relativ treffend.

Wieso also nicht auch die Entscheidung für oder gegen eine Software auf dieses Prinzip legen?

Für Testzwecke sollte der Prozessablauf der User Journey kurz und einfach sein. Tom Wujecs Prozessdesign-Übung “Draw How To Make Toast“ erscheint mir mit 5 Prozessschritten ein ideales Ziel zu sein, dass es mit den verschiedenen Tools umzusetzen gilt. Hierbei geht es darum den Prozess der nötig ist um zwei Scheiben Toast zu toasten, rein visuell, ohne Worte, in einem Diagramm abzubilden. Dafür gebe ich jedem Tool maximal 15 Minuten Zeit mich zu überzeugen. Diese kurze Zeitspanne rückt das schnelle Erlernen, also die Learnability in den Vordergrund. Mal sehen wie weit ich in maximal 15 Minuten komme.

Ergebnisse

Der Gewinner ist, ich verrate es, Mural. Die Funktionsweise dieser Software ist dermassen einfach, dass es im Gegensatz zu anderen Tools nichts zu erlernen gibt:

  • In einem 2 minütigen Videotutorial werden zwar die Funktionen erläutert, aber ich kann auch ohne Anleitung bereits loslegen und Ergebnisse sehen.
  • 15 Minuten nach Besuch der Website steht mein Prozessentwurf (siehe Titelbild). Dies inklusive Login-Prozedere, persönlichen Notizen und weiterem Herumprobieren der Möglichkeiten.
  • Nach diesem Erlebnis hatten die anderen Tools schlicht keine Chance mehr mich zu überzeugen.

Bei Smaply ist mir nach der Rahmenzeit tatsächlich die Lust Vergangen, mich weiterhin damit zu beschäftigen.

  • Die Führung des Nutzers war umständlich, widersprüchlich und die Videos mit über 5 Minuten Länge einfach zu lang für mein Vorhaben.
  • Wenn das erste Video mit dem Satz startet „Now that you’ve created some personas…” und darauf aufbaut, dann denke ich mir: Aber ich habe doch gar keine Persona (bitte die Stimme aus der Kaffewerbung dazu denken).
  • Das scheint der Sprecherin im Tutorial zwei Minuten später dann auch eingefallen zu sein, denn nun holt sie es nach, die Erstellung von Personas zu erklären. An dieser Stelle von mir ein grosses „Hä?“.
  • Dieses „Hä?“ kommt des Öfteren vor und so kann ich eine auf Prozessdesign spezialisierte Software einfach nicht ernst nehmen, wenn die eigenen Prozesse im Tutorial ein Durcheinander sind.
  • Sätze wie „You might be thinking: what do I do now. So…” geben mir den Rest und ich logge mich aus.

UXPressia überzeugt schon eher, ist mir aber zu kompliziert.

  • Immerhin erweckt dieses Tool den Eindruck unbegrenzter Möglichkeiten die aber noch in weiter Ferne liegen.
  • Die Lernkurve ist relativ flach und ich komme mit dem heutigen Zeitbudget zu keinem vorzeigbaren Ergebnis.

Fazit

Die Learnability und Nutzerführung sind bei Mural eindeutig am höchsten. Das ist Sympathy auf den ersten Klick und deshalb für mich matchentscheidend wenn es darum geht die passende agile Software auszuwählen.

Sollte dazu einmal der Funktions-Umfang ein wichtiges Auswahlkriterium sein muss es aber zu einer finale Vergleichsrunde kommen. Dann wird der Kampf zwischen dem Schwergewicht UXPressia und dem Federgewicht Mural ausgetragen. Hier kommt es wohl auf die Formulierung der Anforderungen an. Will man knallharte Hammer-Maps mit einer Masse an Informationen in Gesichter brettern, ist wohl UXPressia die Wahl. Um diese Faust auszuholen bedarf es aber eines grossen Anlaufs. Wer lieber flink und agil seine Maps zeichnen will, der setze auf Mural. Es stehen sich UX-Frazier und Mural Ali im Ring gegenüber. Irgendwie gewinnt immer der flinke, Emotionen weckende Publikumsliebling.


Hintergrundinformationen:
Dieser Artikel ist unter besonderen Bedingungen, nämlich im Rahmen eines WritingSprints an einem Content Production Day im August entstanden. Die Content Production Days wurden von Dave Hertig (ContentSuccess Media) ins Leben gerufen und erfreuen sich einer stetig wachsenden Anhängerschaft von Schreiberlingen im (noch) deutschsprachigen Raum. Hierbei geht es um produktive, kreative Schreib-Erlebnisse in der Gruppe. Anmelden kann man sich hier: https://contentsuccess.com/contact/


 

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